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Warum Recht in der Kirche?

Quelle: M. Wejwer

„Das Kirchenrecht steht mit dem Wesen der Kirche in Widerspruch.“

So hat es im 19. Jahrhundert der Jurist Rudolf Sohm formuliert, und dieser Satz blieb nicht ohne Folgen. Das Anliegen von Sohm war es, strikt zu trennen zwischen der unsichtbaren „Glaubenskirche“ und der sichtbaren Glaubensgemeinschaft in der Gestalt der verfassten „Rechtskirche“. Die verfasste Kirche mit ihren Gebäuden, Strukturen, Arbeitsverhältnissen und Regularien – das war für Sohm nicht Kirche. Und so war es folgerichtig, sich mit all diesen Lästigkeiten nicht weiter zu beschäftigen, sondern sie anderen zu überlassen – dem Staat nämlich. Und dieser nutzte die Handlungsmöglichkeiten, die er dadurch erlangte, um die Kirche so zu formen, wie er sie brauchte – in der Zeit des Nationalsozialismus mit dem Ergebnis, dass auch in der Kirche Führerprinzip und Arierparagraph Einzug hielten. Die Bekennende Kirche war es, die zu der rechts-theologischen Erkenntnis kam: Recht in der Kirche hat den Prinzipien von Kirche zu folgen. Recht in der Kirche hat sich messen zu lassen an Schrift und Bekenntnis. Deshalb heißt es im Vorspruch zur Grundordnung, der Verfassung unserer Landeskirche: „Die Evangelische Landeskirche in Baden ist überzeugt, dass alles Recht in der Landeskirche allein dem Auftrag ihres Herrn Jesus Christus zu dienen hat. Es findet in diesem Auftrag seine Vollmacht und seine Grenze.“

Das versuchen wir, uns immer wieder vor Augen zu halten – wenn wir kirchliche Gesetze erlassen und wenn wir sie anwenden.

Denn ohne einen Bestand an Regeln kommt auch eine christliche Gemeinschaft nicht aus. Zwar sind wir Brüder und Schwestern, Gemeinschaft der Heiligen. Doch wir sind eben auch Menschen, Menschen mit ihren Schwächen und Bedürfnissen, mit ihren Interessen und manchmal auch mit ihrem Machtbedürfnis, ihrer Rücksichtslosigkeit.

Die Kirche lebt in der Welt. Sie ist – auch- eine gesellschaftliche Organisation. Als solche bedarf sie, wie der Staat, wie jeder Verein, wie jede menschliche Gemeinschaft, die auf Dauer angelegt ist, der Ordnung. Einer Ordnung um des Friedens willen. So heißt es schon in der Confessio Augustana, dem gemeinsamen Grundbekenntnis der Kirchen der Reformation: „Damit in der Kirche keine Unordnung und kein wüstes Wesen sei, soll man sich um der Liebe und des Friedens willen unter sie – die Kirchenordnung – fügen.“

 

Das Kirchenrecht ist sicherlich für sich betrachtet nichts, wodurch Menschen zum Glauben eingeladen werden. Das Kirchenrecht kann jedoch helfen, die Verkündigung des Worte Gottes zu ermöglichen oder zu erleichtern. Denn umgekehrt können „Unordnung und wüstes Wesen“ ein Hindernis für die Glaubwürdigkeit der Verkündigung sein. Das haben wir schmerzhaft gespürt bei Bekanntwerden von Fällen sexuellen Missbrauchs durch kirchliche Mitarbeitende oder dort, wo kirchliche Verantwortungsträger nicht verantwortlich mit dem ihnen anvertrauten Geld umgegangen sind.

Darum brauchen wir Recht in der Kirche.